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Russische, ukrainische, belorussische Literatur
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Wostok
   

Neuerscheinungen russischer, belarussischer und ukrainischer Autorinnen und Autoren 2004 — 2007

Zusammenstellung von Gudrun Wolff

•  Grigori Pasko. Die Rote Zone. Ein Gefängnistagebuch, 2006

•  Julia Jusik. Die Schule von Beslan, 2006

•  Arkadi Babtschenko. Die Farbe des Krieges, 2006

•  Sergej Gandlewski. Warten auf Puschkin. Roman. 2006

•  Viktor Pelewin. Das heilige Buch der Werwölfe.2006

•  Juri Rytcheu. Gold der Tundra, 2006

•  Hans Günther, Sabine Hänsgen (Hg.) Forschung. Sowjetmacht und Medien. 2006

•  Irina Scherbakowa (Hrsg.). Unruhige Zeiten. 2006

•  Daniil Charms. Die Wanne des Archimedes. Gedichte. Russisch-Deutsch. 2006

•  Viktor Jerofejew. De Profundis. 2006

•  Viktor Jerofejew. Der gute Stalin. 2006 (als Taschenbuch)

•  Viktor Jerofejew. Der Mond ist kein Kochtopf. Ein Russe auf Reisen. März 2007 (als Taschenbuch)

•  Elena Tregubova. Die Mutanten des Kreml. 2006

•  Dieter E. Zimmer. Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens. 2006

•  Juri Andruchowytsch (Ukraine). Moscoviada. 2006

•  Leonid Zypkin. Ein Sommer in Baden-Baden. 2006

•  Anna Politkovskaja. Russisches Tagebuch. März 2007

•  Michail Ryklin. Mit dem Recht des Stärkeren. 2006

•  Gerd Koenen. Der Russland-Komplex. Die Deutschen und der Osten 1900-1945. 2005

•  Tatjana Kuschtewskaja. “Hier liegt Freund Puschkin ...”. 2006

•  Sonja Margolina. Wodka. Trinken und Macht in Russland. 2004

•  Artur Klinau (Belorus). Minsk. Sonnenstadt der Träume. 2006

•  Serhij Zhadan (Ukraine). Depeche Mode. 26.02. 2007

•  Ljubko Deresch (Ukraine). Die Anbetung der Eidechse oder Wie man Engel vernichtet. 2006

•  Vladimir Kantor. Willkür oder Freiheit, Beiträge zur russischen Geschichtsphilosophie. 2007

•  Merle Hilbk. Sibirski Punk. Eine Reise in das Herz des wilden Ostens. 2006

•  Tschingis Aitmatov. Der Schneeleopard. März 2007

•  Pawel Sanajew. Begrabt mich hinter der Fußleiste. März 2007

•  Aka Morchiladze (Georgien). Santa Esperanza. 2006

•  Gabriele Krone-Schmalz Was passiert in Russland? 2007

Grigori Pasko
Die Rote Zone
Ein Gefängnistagebuch
Wallstein Verlag, Göttingen 2006, 386 S. geb. m. Abb., 24,90 EUR, ISBN-10: 3-89244-995-3
Aus dem Russischen von Hannelore Umbreit.

Ein Zeugnis aus dem modernen russischen GULAG und ein einzigartiges Prosadokument von großer Aufrichtigkeit und suggestiver Kraft. Demnächst wird der Fall Pasko vor dem Europäischen Gerichtshof verhandelt.
Als Militärjournalist filmte Grigori Pasko die Verklappung atomarer Abfälle ins Japanische Meer durch die russische Pazifikflotte. Er machte das Material japanischen Medien zugänglich und wurde 1997 wegen Spionage und Landesverrat verhaftet. 21 Monate Untersuchungshaft, eine kurze Zeit der Freiheit, die erneute Verhaftung und Aburteilung zu vier Jahren Haft in einem Straflager mit verschärften Bedingungen sind Stationen einer Odyssee durch russische Gefängnisse, die Pasko in drei Tagebuchzyklen dokumentiert hat.
Diese Aufzeichnungen spiegeln die Verwirrung und das Entsetzen eines Menschen wider, der sich ­ ohne sich einer Schuld bewusst zu sein­ im russischen Strafvollzug wiederfindet, in dem menschenverachtende Verhältnisse herrschen. Um in der monatelangen Einzelhaft nicht dem Wahnsinn zu verfallen, arbeitet der Häftling Pasko seine Erinnerungen auf und setzt sich dabei kritisch mit der russischen Gesellschaft und ihren Machtstrukturen auseinander.

Rezensionsnotiz - Frankfurter Rundschau, 24.01.2007

“In Russland habe der Journalist Grigori Pasko keinen Verlag für sein Buch gefunden, weist Rezensent Viktor Funk auf die politische Brisanz des Gefängnistagebuchs noch zehn Jahre nach der Verhaftung. Pasko sei mit dem vorgeschobenen Grund Landesverrat zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt worden, weil er vom Zerfall des russischen Militärs und der Verklappung atomaren Abfalls berichtet hatte. Seine Aufzeichnungen aus dem Gefängnis, so der Rezensent, gäben Einblick in die Haftsituation und in die "Machtwillkür" in Russland. Die eigentliche Qualität des Buches sei aber, dass hier ein "Psychogramm" vorliege von jemandem, der unter dem Druck der Willkür seinen Charakter ändern müsse. Als Leser könne man verfolgen, wie sich der Autor langsam zum Beobachter wandle, der Stil wechsle zu einer nüchternen und gewissermaßen zornfreien Sprache. Die Ohnmacht der Menschen in der russischen Wirklichkeit trete so nur umso klarer hervor. Das Spektrum der wie emotionsfrei erfassten Beobachtungen reiche von der Gewalttätigkeit eines kleinwüchsigen Gefängnisdirektors, dem armseligen Dasein der Gefängniswärter, bis zur Wohltat von Suppenwürfeln der Firma Knorr.”
(Quelle: Perlentaucher)

Julia Jusik
Die Schule von Beslan
Zeitgeschichte
Dumont Verlag, Köln Herbst 2006, 178 S. kartoniert, 19,90 EUR, ISBN: 3832179941
Das Wörterbuch des Schreckens. Mit einem Vorwort von Swetlana Alexijewitsch. Aus dem Russischen von Helmut Ettinger.

Am 1. September 2004 besetzten Terroristen die Schule Nr. 1 im ossetischen Beslan und brachten 1.300 Menschen in ihre Gewalt - Schüler, Lehrer, Eltern, die den Beginn des neuen Schuljahres feiern wollten. Fast drei Tage lang waren die Geiseln in der Hand der Terroristen, bis vor den Augen der Welt russische Einheiten die Schule stürmten. Zahllose Kinder kamen bei der Aktion ums Leben, den meisten Terroristen gelang die Flucht.

Die junge Journalistin Julia Jusik fuhr nach Beslan, um mit den Menschen zu sprechen, für die nichts mehr ist, wie es war. Mit überlebenden Kindern, mit verwaisten Eltern, mit Angehörigen der Spezialeinheiten, Nachbarn, Sargtischlern, Steinmetzen. Die Berichte hat sie nach Stichworten geordnet, sie bilden das neue Alphabet von Beslan: Von A wie Absperrung bis Z wie Zähne - nach der Mutter, die die verkohlte Leiche ihrer Tochter erst identifizieren kann, als sie die Zähne zusammengeklaubt und geordnet hat. G wie Geld steht für die Geschichte des siebenjährigen Mairbek, der die Terroristen bittet, für seine fünf ersparten Rubel die Mutter freizulassen, und nur höhnisches Lächeln erntet. In 62 Kapiteln entsteht ein erschütterndes, aufrüttelndes Mosaik, ein Roman in Stimmen.

Rezensionsnotiz - Die Zeit, 25.01.2007

“Wenn sie dieses Buch nicht so dringend empfehlen müsste, dann müsse sie eigentlich davor warnen, schreibt schier starr vor Entsetzen über seine furchtbaren Details Rezensentin Susanne Mayer. Dennoch legt sie das Buch besonders jenen ans Herz, die zum Händeschütteln so gern nach Moskau reisen würden. Und jenen, die glauben, unzuverlässige Gaslieferungen seien das dringlichste Problem mit diesem östlichen Nachbarn. Denn was die Newsweek-Journalistin in ihrem Buch über die Katastrophe von Beslan zusammengetragen habe, sei schlicht unerträglich. Dieses Buch lasse die Opfer zu Wort kommen und buchstabiere noch einmal das "Alphabet des Grauens" durch, dass dieses Massaker für alle bedeutet habe. Und es führte der erschütterten Rezensentin noch mal vor Augen, dass die Familien in Beslan nicht nur Opfer des Terrors, sondern auch der brachialen russischen Armee geworden sind.”
(Quelle: Perlentaucher)

Arkadi Babtschenko
Die Farbe des Krieges
Belletristik
Rowohlt Verlag, Berlin 2006, 256 S. geb., 17,90 EUR, ISBN 387134558X
Aus dem Russischen von Olaf Kühl.

Mit neunzehn Jahren wird ein russischer Soldat aus Moskau nach Tschetschenien versetzt. Als “Frischlinge” ziehen die Rekruten in die Berge, um zu kämpfen. Wie alte Männer kehren sie zurück, verroht und stumpf. “Ich habe immer geglaubt, der Krieg sei schwarzweiß”, schreibt Arkadi Babtschenko, der diesen Krieg aus eigener Erfahrung kennt. Doch die Farben, merkt er bald, verschwinden nicht, und die Dinge, die geschehen, sind real: Die Leichen der ans Kreuz genagelten Soldaten. Der Kamerad, der von den Rädern eines Panzerwagens überrollt wird, und gleich daneben treiben Bäume junges Grün.
Vermummte Gestalten irren auf den Straßen Grosnys umher und werden unter Beschuss genommen - bis sich herausstellt, es sind russische Mütter auf der Suche nach ihren toten Söhnen. Solche Bilder haben Babtschenko auch später, zurück in Moskau, nicht mehr losgelassen. Um ihren Bann zu brechen, hat er die von Hass und Grausamkeit beherrschte Welt geschildert - mit einer Eindringlichkeit und Präzision, wie man sie sonst nur aus Texten wie der »Reiterarmee« von Isaak Babel kennt.

Rezensionsnotiz - Süddeutsche Zeitung, 23.01.2007

“Arkadi Babtschenkos Buch über den Tschetschenienkrieg ist Rezensentin Sonja Zerki recht nahe gegangen. Sie sieht darin mehr als nur eine Ergänzung der mutigen Arbeit der ermordeten Journalistin Anna Politkowskaja, die diesen barbarischen Krieg präzise dokumentiert hat. Im Unterschied zu Politkowskajas Buch überzeugt sie Babtschenkos Buch auch literarisch. "Die Farbe des Krieges" könne sich locker mit den großen literarischen Zeugnissen aus anderen Kriegen messen, etwa mit Michael Herrs "Dispatches" oder mit Remarques "Im Westen nichts Neues".
Beeindruckt hat sie vor allem die "atemberaubende visuelle Kraft" des Autors, die sie an Isaak Babels Werke erinnert. Selten hat sie so nüchterne und zugleich eindringliche Schilderungen der Grausamkeiten des Krieges gelesen, wie sie der als Achtzehnjähriger im ersten Tschetschenien-Krieg eingesetzte Babtschenko liefert. Besonders die Beschreibung der katastrophalen Zustände in der russischen Armee, in der auch in Friedenszeiten gefoltert und getötet werde, die im Krieg mit sich selbst lebe, scheint ihr nur schwer erträglich.”
(Quelle: Perlentaucher)

Sergej Gandlewski
Warten auf Puschkin
Roman
Aufbau-Verlag
Berlin 2006
215 S. geb., 17,90 EUR, ISBN: 978-3-351-03052-0

Die schonungslose Bilanz eines Dichterlebens: Es begann in der literarischen Dissidentenszene im Moskau der siebziger Jahre mit großen Illusionen. Sie alle waren jung, verliebt und voller Hoffnung. Was ist aus ihnen geworden und was von ihren Träumen nach dreißig Jahren übriggeblieben?
Ein großer Dichter wollte Lew werden, das wollten sie damals alle, die in den siebziger Jahren in den Poetenkeller kamen und sich gegenseitig ihre Gedichte vortrugen. Heute, fast fünfzigjährig, blickt er zurück. Sein Leben hat immer zwei Planeten umkreist. Der eine war seine große Liebe Anja, die jedoch einen seiner Freunde geheiratet hat. Der andere war sein großes Vorbild, der Dichter und Dissident Tschigraschow. Heute gilt Lew als dessen Biograph. Was er selbst als Dichter veröffentlicht hat, ist eher bescheiden.
In sein Leben tritt plötzlich Nikita, der genau Bescheid weiß über all die Ereignisse in ihrer Jugend und der sich mehr und mehr einmischt. Mit radikaler Ehrlichkeit ermittelt Lew gegen sein früheres Ich, entblößt seine Seele, deckt die Wahrheit auf - mit allen dunklen Flecken, die man sich niemals eingestehen will.

“Man liest das Buch mit nicht nachlassendem Interesse. Auf begeisternde Weise fügen sich Sujet und Komposition mit fast Nabokovschem Geschick; alle “an die Wand gehängten Gewehre” gehen - nach Tschechow - auch tatsächlich los. So muss ein Roman geschrieben werden!” Jeshe Prawda

“Ein Roman, der die literarische Epoche verabschiedet. (...) Eine Kommunion mit der entgötterten Bedürfniserfüllungswelt, deren Schilderung durch ihren beinahe rücksichtsvollen Ton die Verluste doppelt spürbar macht.FAZ” (23.8.2006)

Zum Autor:
Sergej Gandlewski, geboren 1952. Seine Gedichte wurden in alle wichtigen europäischen Sprachen und ins Japanische übersetzt. Mitarbeiter der Zeitschrift «Inostrannaja Literatura» (Ausländische Literatur). Bisher acht Bücher veröffentlicht, auch Prosa, für die er viele bedeutende Preise erhielt. Sergej Gandlewski gilt in Russland als der beste lebende Dichter und Prosaist.

Viktor Pelewin
Das heilige Buch der Werwölfe
Belletristik
Luchterhand Verlag, München, Sept. 2006
352 S. geb., 19,95 EUR, ISBN-10: 3-630-87235-2

Die Prostituierte Ahuli wird von ihrer erlesenen Kundschaft hoch geschätzt. Gibt es doch nichts, über das sie nicht kenntnisreich zu parlieren weiß. Ihre Freier ahnen nicht, dass Ahuli nur auswendig gelernt hat, was die anderen ihr erzählten. Und sie ahnen nicht, dass die anschließenden wilden Liebesspiele mit ihr nur in ihrer Phantasie stattfinden. Denn Ahuli ist eine Werfüchsin, die die Kunst der Hypnose beherrscht und ihre Energie aus den wüsten Träumen ihrer Kunden bezieht.
Eines Tages aber trifft sie auf einen Mann, der sich nicht hypnotisieren lässt. Es ist Alexander, Generalleutnant der Staatssicherheit und seinerseits ebenfalls ein Werwolf. Obwohl die Anarchistin Ahuli und der wackere Patriot Alexander in ihren Ansichten weit auseinanderliegen, verlieben sie sich ineinander. Aber sie streiten sich über den Erlöser-Werwolf, den die alten Prophezeiungen versprechen. Ist er ideologischer Humbug, wie Ahuli meint? Oder ist es gar Alexander selbst - wie Alexander meint? Arbeiten im Vorstand von Gazprom nur Werwölfe? War der wilde Sex vorgestern nur krude Täuschung? In seiner unnachahmlichen Mischung aus exakter Phantasie und anarchistischer Analyse gibt Pelewin Antworten auf Fragen, die wir nie zu stellen wagten. Und hält dem Russland unserer Tage einen bizarren Zerrspiegel vor.

“Der Superstar unter den jüngeren russischen Autoren.” Neue Zürcher Zeitung

“Pelewin hat eine feine Satire auf das heutige Russland geschrieben.” Schweriner Volkszeitung

“Wieder hält der große Fabulierer Pelewin in seiner unvergleichlichen, von Esprit, anarchischem Witz und satirischer Schärfe überbordenden Mischung aus Phantasie und kristallklarer Analyse seiner Heimat den bis zur Kenntlichkeit verzerrenden Spiegel vor. (...) Wer glaubt, seit Alexander Solschenizyn sei alles Wesentliche über den Archipel Russland gesagt, den belehrt dieser Roman eines besseren.” SWR-Bestenliste
www.randomhouse.de

Juri Rytcheu
Gold der Tundra
Belletristik
Unionsverlag Zürich, 2006
272 S. geb., EUR 19,90, ISBN: 3293003672

Zwei Generationen nach “Traum im Polarnebel” brechen zwei Amerikaner auf, die verlorene Welt ihres Großvaters zu suchen. Aber die Tschukotka hat sich dramatisch verändert.
Eine unerklärliche Faszination verbindet Robert und Susan Carpenter seit ihrer Kindheit mit dem so nahen, aber unzugänglichen Land der Tschuktschen am anderen Ufer der Bering-Straße. Dort hatte ihr Großvater als Händler gelebt bis die Revolution kam. Ihre tschuktschische Großmutter, die ebenfalls nach Alaska emigriert war, erzählte ihnen tausend Geschichten vom Leben in der Jaranga und in der Tundra.
Und was hat es mit der rätselhaften Zeichnung auf sich, die der Großvater hinterließ? Susan ist sicher, dass sie ein Hinweis auf einen Goldschatz ist, den der Großvater bei seiner überstürzten Abreise zurückließ und nicht mehr bergen konnte. Als die Perestrojka beginnt, machen sie sich auf die Reise, um das Land ihrer Ahnen kennen zu lernen, aber auch um den Schatz zu finden. Sie geraten mitten in die Wirren eines verlorenen, vergessenen Landes, in dem nichts mehr ist, wie es früher war.
“Vieles, was über kleine Völker geschrieben wird, ist eine Phantasie von Leuten, die durch ein Fernglas auf das Ufer schauen.” Juri Rytchëu

Zum Autor:
Juri Rytchëu wurde 1930 als Sohn eines Jägers in der Siedlung Uëlen auf der Tschuktschenhalbinsel im äußersten Nordosten Sibiriens geboren. Der erste Schriftsteller dieses Volkes mit zwölftausend Menschen wurde mit seinen Romanen und Erzählungen zu einem berufenen Zeugen einer bedrohten Kultur und eines vergessenen Volkes.

Hans Günther, Sabine Hänsgen (Hg.)
Sowjetmacht und Medien
Forschung
Sankt Petersburg, 2006
621 S., ISBN 5-7331-0335-3

Der Band “Sowjetmacht und Medien” ist dem Wandel des Politischen gewidmet, der in der frühen Sowjetunion durch die Einführung der technischen Massenmedien bewirkt wurde.
Die neuen technischen Massenmedien - Fotographie, Film und Radio - hatten im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in der sowjetischen Kultur ganz unterschiedliche Funktionen: Einerseits förderten sie die Herausbildung eines avantgardistisch-utopischen Projekts, das durch die Entgrenzung des Privaten in einer umfassenden Politisierung der Gesellschaft gekennzeichnet ist, andererseits trugen sie aber auch zur gegenläufigen Tendenz einer Familiarisierung des Politischen in den Mythenbildungen der stalinistischen Massenkultur bei. Kennzeichnend ist in diesem Zusammenhang eine Spannung zwischen der unter Stalin sich vollziehenden “Archaisierung” der Kultur und den sowjetischen Modernisierungsanstrengungen, die ihren Ausdruck nicht zuletzt in dem forcierten Einsatz technischer Medien finden.
Der auf eine internationale Konferenz innerhalb des Bielefelder Sonderforschungsbereichs “Das Politische als Kommunikationsraum in der Geschichte” zurückgehende Band zielt auf eine vergleichende Medienforschung für die Sowjetunion der 1920er/30er Jahre ab. Mit der Etablierung der technischen Massenmedien vollziehen sich tiefgreifende Veränderungen im Mediensystem des Landes, die bis jetzt kaum erforscht sind. Diskutiert wird das Verhältnis von alten und neuen Medien, von Dominanzen und Konkurrenzen, von Übersetzbarkeit oder Nichtübersetzbarkeit zwischen den Medien, aber auch von möglichen Kombinationen, die die verschiedenen Medien untereinander eingehen können.

Der Aufsatzband enthält Beiträge zu folgenden Themenblöcken:
-Allgemeine Aspekte medialer Kommunikation
-Audio-Medien
-Visuelle Medien
-Print-Medien
-Der Körper in Theater und Kino
-Kino: Ton und Mündlichkeit, Dramaturgie, Motive und Genres, Sergej Eisenstein, Russland und Amerika

Außerdem erhältlich bei: www.esterum.com, www.kniga.com

Irina Scherbakowa (Hrsg.)
Unruhige Zeiten
Zeitgeschichte
edition Körber-Stiftung, 2006
330 S., 14 EUR, ISBN 10: 3-89684-062-2
Lebensgeschichten aus Russland und Deutschland.

Deutsche und Russen verbindet eine seltsame Faszination: Ihr historisches Verhältnis ist von Leid und Schrecken geprägt, kennt aber auch Zeiten großer Nähe und Vertrautheit. Wie lebten die Menschen, die in diesen Mahlstrom geschichtlicher Umwälzungen gerieten?
Vom Ende des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart spannt sich der Bogen der 16 Lebensgeschichten, die in “Unruhige Zeiten” dokumentiert sind. Jugendliche aus Russland und Deutschland haben diese Erinnerungen aufgezeichnet - bewegende Zeugnisse der Lebenswirklichkeit im 20. Jahrhundert. Sie haben mit Zeitzeugen gesprochen, in Archiven recherchiert und vor Ort geforscht. Für ihre Arbeiten wurden sie in den Geschichtswettbewerben beider Länder ausgezeichnet.
Sie berichten von der Situation der Gefangenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges, von Deportationen und Verschleppungen zur Zwangsarbeit, von Repression und Verfolgung. Aber inmitten der Schrecken entdecken sie immer wieder auch Hilfsbereitschaft und Selbstlosigkeit, Mut und Zuversicht. Voll emotionaler Beteiligung und kritischer Reflexion richten sie ihren Blick auf die schwierigen und tragischen Zusammenhänge der vergangenen Epoche, um Wege für ein harmonisches Zusammenleben in der Zukunft zu finden.

“Dieses Buch erzählt die geheime Geschichte der russisch-deutschen Nähe unter den Bedingungen des 75-jährigen (aus dem Vorwort von Wolfgang Büscher)

Die Herausgeberin:
Irina Scherbakowa ist Historikerin und Germanistin. Sie koordiniert den russischen Geschichtswettbewerb für Jugendliche, den die Menschenrechtsorganisation MEMORIAL in Moskau seit 1999 ausrichtet. Außerdem lehrt sie am Zentrum für “Oral History” und Visuelle Anthropologie an der Russischen Humanistischen Staatsuniversität in Moskau. 2003 gab sie in der edition Körber-Stiftung den Band “Russlands Gedächtnis. Jugendliche entdecken vergessene Lebensgeschichten” heraus.
www.edition-koerber-stiftung.de

Daniil Charms
Die Wanne des Archimedes
Gedichte. Russisch-Deutsch.
Edition Korrespondenzen, Wien 2006
232 S. geb., 23 EUR, ISBN 3-902113-45-6
Deutsche Erstausgabe. Aus dem Russischen von Peter Urban.

“So tritt denn schließlich alles ein
und es ergibt sich Folgerichtigkeit.
Wie merkwürdig wäre, träten zwei Ereignisse
auf einmal gleichzeitig ein.
Rätselfrage: Und wenn statt zweier Ereignisse
acht Seifenblasen einträten?
Antwort: Dann würden wir uns natürlich hinlegen.
Diese Antwort war klar und kurz.
Ein Mensch wurde in Papier eingewickelt.
Es gibt kein Papier. Der Winter ist da.”

“Auf Charms zu bestehen”, schreibt Peter Urban, “ist nicht nur Herzenssache, sondern Notwendigkeit, denn es ist beileibe noch nicht entschieden, ob Charms nur als Klassiker des russischen absurden Humors anzusehen sei, oder ob er nicht auch und zugleich einer der eigentlichen und wahrsten Realisten seiner Zeit war.”
“Die Wanne des Archimedes” bietet erstmals eine umfassende Auswahl der Charmsschen Gedichte und spannt einen Bogen von der frühen Laut- und Nonsens-Poesie zu den großen dramatischen Erzählgedichten, von den verspielt philosophierenden bis hin zu den späteren, intimen Gedichten. Wenn Sprachlust, Komik und Schrecken grotesk in eins fallen, geben diese Gedichte den Blick auf die Realität frei, werden die Ängste, Nöte und Träume des Autors und seiner Zeit sichtbar. Der zum Teil zweisprachige Gedichtband ist sorgfältig kommentiert und mit einem Nachwort versehen.
“Die Mächtigen verfolgten mit gutem Grund den subversiven Anarchisten Charms. Die Wahrhaftigkeit seiner Literatur wächst aus dem Willen, vom Terror des Alltags nichts zu verschweigen. Mit äußerster Intensität und größter Schonungslosigkeit hat Charms die Wahrheit einer Epoche in seinem Werk aufbewahrt.” (Claus-Ulrich Bielefeld, FAZ)

Daniil Charms, geboren 1905 in St. Petersburg als Daniil Iwanowitsch Juwatschow, gründete 1927 mit Freunden die Avantgarde-Gruppe OBERIU (Vereinigung der realen Kunst), die 1930 verboten wurde. Charms starb 1942 während der Blockade im Gefängnis in Leningrad.
www.korrespondenzen.at

Viktor Jerofejew
De Profundis
Belletristik
Berlin Verlag, 28. August 2006
144 S. geb., 16 EUR, ISBN-13: 9783827006370
Erzählungen - Aus dem Russischen von Beate Rusch.

Viktor Jerofejew, fraglos eine der bedeutendsten Autoren der russischen Gegenwartsliteratur, erzählt von Frauen und Männern, von Obsessionen, von Lust und Melancholie, von den schrägen russischen Verhältnissen - und, natürlich, von seiner Liebe zu der großen drallen prallen schmuddeligen Schlampe, Moskau.
“Tolstoi hat bereits zu seiner Zeit die Auferstehung vorhergesagt, Viktor Jerofejew genügt das tolstoische Talent, um seine Auferstehung zu finden.” Le Figaro
“Ganz Moskau liebt Charms. Du hast schon das ganze Glas Pflaumenmus verputzt. Nur ein Restchen ist noch übrig. Nicht mehr als zwei Löffel. Kratz es aus. Laß das! Stopf dir nicht auch noch die Fleischklöpse rein! Reden wir über Katmandu. Schließlich schwebt diese nicht umsonst mit Moskau durch die Metro verbundene Stadt im Himalaja wie ein Loch im Kosmos.”
Moskau, die Frauen, der ganz normale Irrsinn des postkommunistischen, neonationalen, knallreichen, mäusearmen Putin-Russland, aber auch Tibet, die Literatur, der Große Vaterländische Krieg: Über all das und noch viel mehr schreibt Jerofejew in diesem eleganten schmalen Band, der aufs Neue seine stilistische Brillanz unter Beweis stellt, aber auch seinen immer etwas anderen Blick. Die Erkenntnisse, die er unaufdringlich in seine Prosa streut, sind bestechend in ihrem Witz, in ihrer Originalität und Präzision. Viktor Jerofejew ist der große Chirurg der russischen Seele, seine Feder scharf wie ein Seziermesser.
www.berlinverlag.de

Viktor Jerofejew
Der gute Stalin
Roman
Aus dem Russischen von Beate Rusch
368 Seiten.
Taschenbuch, Berlin Verlag
ISBN-13: 9783833303364, 2006

Vatermord im Schatten Stalins. Viktor Jerofejews bewegende Doppelbiografie.
“Das Wechselbad der Stillagen und Motivkomplexe verleiht Viktor Jerofejews Roman Der gute Stalin eine Modernität, die ihn von der biederen Erzählweise vieler russischer Bücher abhebt.” Die Presse
“Das vibrierende Porträt der stalinistischen Ära und ein Bericht aus dem Zentrum der Macht.” FAZ

Viktor Jerofejew wuchs im Herzen der politischen Macht auf, sein Vater gehörte zum Stalin'schen Hofstaat. Die Welt der privilegierten Herren porträtiert der Autor mit melancholischem Spott, zugleich wahrt er jedoch den Blick des Kindes, das nicht anders kann, als den Vater zu lieben. Letztlich aber ist dieser eindrucksvolle Roman die Geschichte der Geburt eines Schriftstellers und Dissidenten, die Geschichte des Tri­umphs der künstlerischen Freiheit — dank des politischen Mordes an seinem Vater wurde der Autor paradoxerweise ein freier Mensch. Dass ihm ebenjener “Ermordete” zur Seite steht, als die politische Verfolgung einsetzt, zeugt von der menschlichen Größe der Protagonisten dieses literarischen Zeitzeugnisses.

Viktor Jerofejew
Der Mond ist kein Kochtopf
Ein Russe auf Reisen
Aus dem Russischen von Beate Rausch
272 Seiten Taschenbuch ISBN-13 9783833304453
Erscheinungstermin 22. März 2007

In seinen Reisereportagen erweist sich Viktor Jerofejew als leidenschaftlichster Temperamentsautor Russlands.
“Jerofejew ist ein ebenso boshafter wie glänzender Essayist. Sein Seelenstriptease eröffnet nicht nur eine unbekannte Perspektive auf Japan, China oder Polen, sondern entlarvt auch die konventionelle Reiseführer-Prosa als leeres Wortgeklingel.” Neue Zürcher Zeitung

“Der Mick Jagger der russischen Gegenwartsliteratur!” FAZ

“Gerade im Episodischen, in wie mit einer Handkamera aufgenommenen Schilderungen liegt der Reiz des Buches. Es wirkt wie eine Montage dieser Welt, die man als Ganzes ohnehin nicht begreifen, an ihren anekdotischen Widerhaken aber sehr wohl fassen kann.” FAZ
Seine Stationen sind St. Petersburg, Japan, Südafrika, die Krim, Capri — und wo auch immer er aus dem Flugzeug steigt, saugt der an den Widersprüchen seiner Heimat geschulte Blick die Bilder der Fremde auf und wandelt sie um in Sprache, die Wort für Wort einer zutiefst russischen Seele entspringt.

Elena Tregubova
Die Mutanten des Kreml
Tropen-Verlag, mundpropaganda 4, 2006
384 S. geb., 19,80 EUR, ISBN: 3-932170-91-1

Als die 25-jährige Journalistin Elena Tregubova 1998 von Vladimir Putin zu einem romantischen Sushi-Essen eingeladen wurde, war dieser noch Chef der KGB-Nachfolgeorganisation FSB, und Jelzin führte väterlich das Regiment über den Kreml.
Hier beginnt die wahre Geschichte der Mutanten des Kreml, in der die Autorin präzise und klug die Psychologie der Macht und Machtergreifung Putins analysiert. Packend und eingängig deckt sie den Zusammenhang zwischen Kreml und Oligarchentum im heutigen Russland auf. Sie beschreibt ihr Leben als Journalistin und ihren Kampf für eine freie, unabhängige Presse. Im zweiten Teil des Buches berichtet die Autorin von den dramatischen Ereignissen nach dem Erscheinen ihres Buches in Russland, von großem Erfolg und schließlich von der systematischen Demontage ihrer Person in der Öffentlichkeit.
“Die Mutanten des Kreml - Mein Leben in Putins Reich” ist eine schonungslose und sehr aktuelle Betrachtung des russischen Machtsystems und der kruden Psychologie des “Zaren” Putin. Die Autorin erzählt mit Witz, Selbstironie und der Spannung eines Politthrillers von einem Land, das noch fremder ist, als wir denken - ein glühendes Pamphlet für die Pressefreiheit und die atemberaubende Geschichte einer mutigen Journalistin.
www.tropen-verlag.de

Dieter E. Zimmer
Nabokov reist im Traum in das Innere Asiens
Reiseabenteuerbuch
Rowohlt, Reinbek 2006
288 S., zahlr. s/w Abb., EUR 29,90, ISBN: 3-498-07663-9

Ein Reiseabenteuerbuch über eine Weltgegend, die immer noch weitgehend Terra incognita ist. Eine Sammlung von Originaltexten, die hierzulande bisher nahezu unbekannte Entdeckungsreisende vorstellen - Ein Buch von und über Vladimir Nabokov.
Im zweiten Kapitel des Romans “Die Gabe” gibt der junge in Berlin lebende exilrussische Schriftsteller Fjodor Godunow-Tscherdynzew eine Probe seiner Arbeit: die Biographie des Schmetterlingsforschers und Entdeckungsreisenden Konstantin Godunow, seines Vater (mit dem Nabokov seinem eigenen, von rechtsextremen Exilrussen ermordeten Vater ein Denkmal setzt). Godunow erforscht 30 Jahre lang das Westliche China, die Mongolei und Tibet, bis er 1917 spurlos verschwindet. Mit diesem Originaltext Nabokovs beginnt das Buch. Die Schilderung der Forschungsreise ist so außerordentlich anschaulich und so intensiv, dass aus dem “Er” des Erzählers unbemerkt ein “Ich” wird.
Dieter E. Zimmer hat, entzündet vom Forscher- und Entdeckerdrang, Nabokovs Quellen nachgespürt und über 92 Prozent des Textes auf sie zurückgeführt.

Juri Andruchowytsch
Moscoviada
Roman
Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M., August 2006
224 S. geb., EUR 22,80

Otto von F., Literaturstudent aus der Westukraine, lebt in Moskau, dem “fauligen Herzen des halbtoten Imperiums”. Im Wohnheim des Gorki-Instituts hocken die poetischen Hoffnungen aus der sowjetischen Provinz aufeinander, künftige Vertreter der jungen Nationalliteraturen, die Gedichte in mittelalterlichem Jiddisch, ukrainische Verspoeme und usbekische Songstrophen verfassen. Es ist Anfang der neunziger Jahre, die Stimmung gereizt, der Wodka knapp...
An einem nassen Maitag zieht er los, um Geschenke in der “Kinderwelt” zu besorgen, dem Kaufhaus direkt neben dem KGB-Gefängnis Lubjanka. Er verirrt sich in Fluren und Treppenhäusern, landet in den Tunneln der Kanalisation und gerät in die Gewalt von Geheimdienstbeamten, die hier unten ein Rattenheer züchten. Was Otto von F. in den Katakomben unter dem Kreml und auf den Gleisen der geheimen Regierungsmetro widerfährt, das erzählt sein Vergil durch die Hölle Moskaus, Juri Andruchowytsch, mit Sarkasmus und groteskem Witz.
Moscoviada, Andruchowytschs erfolgreichstes Buch, ist von überraschender Aktualität. Das neoautoritäre Russland, der eifernde Nationalismus, die Verklärung der kommunistischen Epoche, der chauvinistische Kitsch, der ideologische Druck - all diese Gespenster werden in einem karnevalesken Spektakel unter panischem Gelächter zum Teufel gejagt.

“Andruchowytschs Texte strotzen vor Erfahrung, von Saft und Kraft der Details, von der Gegenständlichkeit und Farbigkeit der Welt.” Karl Schlögel
“Es mangelt nicht an Büchern, die man mit Neugier zu lesen beginnt, aber es gibt nur wenige, die man am Ende mit Bedauern aus der Hand legt. Ich wünsche den deutschen Lesern, daß sie die >Moscoviada< so genießen, wie ich sie genossen habe.” Stanislaw Lem
www.suhrkamp.de

Leonid Zypkin
Ein Sommer in Baden-Baden
Roman
Berlin-Verlag, Berlin 2006
240 S., 19,90 EUR, ISBN: 9783827004888

“In einem höchst virtuosen Balanceakt gelingt Zypkin eine fiktionale Nachbildung von Dostojewskis krisenhaftem Leben (...) Er überwirft sich mit Turgenjew, hat epileptische Anfälle. Streit und Versöhnung mit der Ehefrau wechseln ab mit traumatischen Erinnerungen an sein Sträflingsdasein oder größenwahnsinnigen Fantasien. Wer Nicolas Cage in "Leaving Las Vegas" gesehen hat, weiß, wie es Dostojewski in Baden-Baden ging.” Carsten Hueck, DeutschlandRadio

“...eines der schönsten, anregendsten und originellsten literarischen Werke des vergangenen Jahrhunderts...” Susan Sontag

“Dies ist ein einzigartiger und bewegender Roman, der gerade noch rechtzeitig aus dem Kerker der Literaturgeschichte befreit wurde.” THE GUARDIAN

“Nichts ist erfunden. Alles ist erfunden.” So feiert Susan Sontag die “Biofiktion” über Fjodor Dostojewski. Leonid Zypkin, zu Lebzeiten unveröffentlicht und stilistisch seiner Zeit weit voraus, gehört zu den spektakulärsten literarischen Neuentdeckungen der letzten Jahre.

Ein Zug fährt durch die Nacht. Ein junger russischer Intellektueller ist auf dem Weg nach Leningrad, auf den Spuren des großen Romanciers Fjodor Dostojewski. In einer alten, zerfledderten Ausgabe liest er das Tagebuch von Anna Grigorjewna, der Ehefrau und großen Liebe des Schriftstellers. Bald ist er so gebannt von diesen Aufzeichnungen einer Ehe, dass die Figuren zum Leben erwachen - ein zweiter Zug fährt in entgegengesetzter Richtung, im Jahre 1867 reist das frisch verheiratete Ehepaar Dostojewski nach Baden-Baden, das Eldorado aller Spieler.
Es folgt eine Zeit voller Irrwege und Kämpfe, ein jahrelanger Grenzgang zwischen Dostojewskis begnadeter Vorstellungskraft und seiner sadistischen Launenhaftigkeit, zwischen kreativen Schaffensräuschen und lähmender Epilepsie. Der Leser begleitet das Paar auf seiner Odyssee durch die Psyche einer Ehe. Dostojewskis zerstörerische Spielsucht treibt sie an den Rand des Ruins, ein geheimnisvoller Brief einer früheren Liebe wird für seine junge Frau zur seelischen Zerreißprobe. So entsteht das Porträt zweier liebenswert tragischer Figuren, wie von Dostojewski selbst geschaffen, und ein Roman, in dem die Reise zur Apotheose des Lebens wird, der Kunst und der Spielarten der Liebe.
Ein Sommer in Baden-Baden ist ein Traumroman, Perspektiven und Zeiten fließen ineinander, hypnotisch lange Sätze umschlingen den Leser wie Gestalten aus Dostojewskis Phantasie. Virtuos verschränkt der Erzähler seine eigene Gegenwart mit der fiebrig pulsierenden Vergangenheit und verwebt Faktisches mit Fiktionalem zu einem leidenschaftlich-halluzinatorischen Assoziationsrausch.
www.berlinverlag.de

Anna Politkovskaja
Russisches Tagebuch
DuMont, März 2007

Das „Russische Tagebuch“ entstand zwischen Dezember 2003 und September 2005. Anna Politkovskajas Aufzeichnungen beginnen mit Putins Kampagne zu seiner Wiederwahl und enden mit der eindringlichen Frage: habe ich Angst?
Bis zur Selbstaufgabe engagiert, persönlich und mit Blick für das Schicksal der Einzelnen, beschreibt sie im „Russischen Tagebuch“ die Politik ihres Landes dieser zwei weichenstellenden jahre. Dabei geht es ihr um politische Ereignisse ebenso wie um die Stimmung in der Bevölkerung. Ein bericht aus erster Hand, der wagt, was in Putins Russland lebensgefährlich ist: die Wahrheit. So zeigt Politkovskaja nicht nur die Verbrechen der russischen Armee in Tschetschenien, sondern auch jene an den russischen Soldaten und den Kampf ihrer Mütter um die Rechte und Würde ihrer Söhne. Sie prangert Putins „starken Staat“ an und schildert das Klima der Angst und Resignation, der Angst und der Rechtlosigkeit.
Immer wieder beklagt Anna Politkovskaja die Blindheit und mutwillige Ignoranz des Westens gegenüber den Missständen in ihrer Heimat. Nun, da die Welt sich betroffen zeigt und um sie trauert, sollten wir endlich hören, was sie zu sagen hat.

Buchpräsentation und Gedenkveranstaltung auf der Leipziger Buchmesse
Erstverkauf am 1. März 2007
www.DuMontLiteraturundKunst.de

Michail Ryklin
Mit dem Recht des Stärkeren
Die russische Kultur in Zeiten der gelenkten Demokratie
Aus dem Russischen von Gabriele Leupold
Erschienen: 28.08.2006
edition suhrkamp 2472
239 Seiten, Broschur

Im Januar 2003 wurde im Moskauer Sacharow-Zentrum die Kunstausstellung “Achtung, Religion!” verwüstet. Doch nicht die Täter sahen sich öffentlicher Ächtung und juristischer Verfolgung ausgesetzt, sondern die Ausstellungsmacher und Künstler. In einem aufsehenerregenden Prozeß wurden sie der “Beleidigung der religiösen Gefühle des russischen Volkes” angeklagt und mit Lagerhaft bedroht. Michail Ryklin, der das groteske Verfahren im Gerichtssaal verfolgt hat, beschreibt nicht nur die an Sowjetzeiten erinnernde Ächtung der zeitgenössischen Kunst, die antisemitischen Pöbeleien, die erstarkende Allianz von russisch-orthodoxer Kirche und Geheimdienst. In seiner intellektuellen Umgebung beobachtet er das Schwinden von Zivilcourage, zunehmende Angst, zynische Passivität. Ob der Staat gegen Künstler,Wissenschaftler, Umweltschützer oder wie im Fall Chodorkowskij gegen Oligarchen vorgeht – Ryklin analysiert die Gefahr eines neuen Faschismus russischer Spielart.

Gerd Koenen
Der Russland-Komplex
Die Deutschen und der Osten 1900-1945
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 3406535127, Gebunden, 528 Seiten, 29,90 EUR

Seit dem Mittelalter hat der "Osten" immer wieder die Phantasie der Deutschen entzündet. Am Ende des 19. Jahrhunderts und in der Epoche der beiden Weltkriege entstand geradezu ein Russland-Komplex , der eine deutsche Ostorientierung noch einmal zu einer ernsthaften Alternative für den "langen Weg nach Westen" (Heinrich August Winkler) werden ließ. Die siegreiche Oktoberrevolution schien nicht wenigen Zeitgenossen nur der Auftakt zu noch größeren Ereignissen zu sein, und es waren keineswegs nur Kommunisten, die in einer engen Zusammenarbeit mit dem bolschewistischen Russland eine Chance für Deutschland sahen, dem Diktat der Siegermächte von Versailles möglichst bald zu entkommen. Gleichzeitig aber brachen sich auch rassistische Ressentiments gegen Slawen und besonders die Ostjuden immer wieder Bahn. Am Ende dieser Epoche beherrschen dann mit den "Lebensraum"-Konzepten der Nationalsozialisten Expansions- und Vernichtungspläne den deutschen Russland-Komplex.

Rezensionsnotiz - Die Zeit, 13.10.2005
Begeistert, geradezu bewundernd дuЯert sich Karl Schlцgel zu Gerd Koenens Buch ьber die widersprьchlichen Beziehungen der Deutschen zu Russland von 1900 bis 1945. Widersprьchlich? Ja, denn nicht ungebrochene "Russlandfeindschaft" prдgte die Beziehungen, sondern ein komplexes Gebilde kultureller Bilder und Phantasien, in dem sich "Faszination und Schrecken, Reflexe phobischer Abwehr und emphatischer Zuwendung, Verschmelzungs- und Kolonisationsprojekte verbanden". Wie Koenen diesen Komplex aufschlьsselt und "in ein historisches Narrativ" bringt: Grandios! Er verbindet gekonnt biografischen Portrдts verschiedener "die Stimmung der Zeit prдzise artikulierender" Figuren mit der Schilderung von Ereignissen und analytischen Passagen. Was dabei herauskommt, ist laut Schlцgel keine "neue, steile These", sondern viel mehr: "eine Verдnderung der Wahrnehmung des ganzen historischen Feldes". Und eine Geschichtserzдhlung, die ihresgleichen lange suchen muss.

Tatjana Kuschtewskaja
“Hier liegt Freund Puschkin ...”
Spaziergänge auf russischen Friedhöfen
Aus dem Russischen von Ilse Tschörtner
Preis: 22,90 Euro (sofort lieferbar, Lieferzeit 1-2 Werktage)
Mit 61 schwarz-weiß Fotografien
224 Seiten, gebunden, Schutzumschlag, Format: 16,5 x 24,5 cm
ISBN 3-89978-059-0, Erscheinungsjahr: 2006

Hier liegt Freund Puschkin. Mit der holdesten der Musen
Vertrieb er sich die Zeit in süßem Spiel und Scherz,
Er tat nichts Gutes, doch in seinem Busen,
Beim Himmel, schlug ein gutes Herz!

Was für Paris die Friedhöfe Montmartre, Montparnasse und Père Lachaise, das sind für Moskau der Donskoje-, der Neujungfrauen- und der Wagankowskoje-Friedhof. Auf dem Neujungfrauenfriedhof findet man die Gräber von Gogol und Tschechow, von Prokofjew und Schostakowitsch, auf dem “Donskoje” die der berühmtesten Spione der Sowjetunion – und wie man auf dem Père Lachaise zum Grab von Jim Morrison pilgert, so sucht man auf dem “Wagankowo” das des legendären Sängers Igor Talkow auf. Und auch hier zeigt sich, daß die Persönlichkeit des Toten sich oft bereits an seiner Grabstätte ablesen läßt.
Tatjana Kuschtewskaja unternimmt nach ihren kulinarischen Streifzügen durch die russische Literatur ausgedehnte Spaziergänge über die Friedhöfe Rußlands, und wieder weiß sie eine Fülle von Geschichten um berühmte Verstorbene zu erzählen. – So stellt man bei der Öffnung von Gogols Sarg fest, daß dessen Schädel verschwunden ist; und kurioserweise ziert sein Grabstein aus schwarzem Granit ab 1940 die letzte Ruhestätte Bulgakows. Und wann hat man schon von dem heldenhaften Bolschewikenführer Artjom gehört, der 1924 bei einem Eisenbahnunglück starb und an der Kremlmauer begraben liegt? Staunend liest man die Geschichte der glühenden Jessenin-Verehrerin Galina B., die am Grab des Dichters Selbstmord begeht: Auf ihrem Grabstein steht “Die treue Galja” ...
Und ganz nebenbei erfährt man Faszinierendes und Lehrreiches über verschiedene Formen von Grabkreuzen, Besonderheiten russischer Beerdigungsbräuche und Trauerrituale oder über die Spezies der Friedhofsbettler. Der mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotografien versehene Band ist eine kleine Kulturgeschichte des Todes in Rußland ebenso wie eine keineswegs morbide Sammlung von Anekdoten über den Tod im Leben und das Leben im Tod.

Sonja Margolina
Wodka
Trinken und Macht in Russland
Wolf Jobst Siedler jr. Verlag, Berlin 2004
ISBN 393798903X, Gebunden, 184 Seiten, 16,00 EUR
Klappentext
Russland und Wodka scheinen untrennbar zu sein. Von Nikolaus II. über Leo Trotzki bis zu Michael Gorbatschow sind alle Versuche gescheitert, dem Alkohol den Krieg zu erklären. Unter Putin haben Modernisierung und Verwestlichung zwar eine Veränderung des Lebensstils und der Trinkgewohnheiten mit sich gebracht. Aber das Riesenreich im Osten zwischen Chinesischem und Baltischem Meer wird nach wie vor von dem hochprozentigen "Wässerchen" beherrscht. Die Autorin, gebürtige Russin geht in ihrem Buch der verhängnisvollen Rolle nach, die der Wodka auf dem russischen Sonderweg gespielt hat.
das Buch
Trinken als erste Bürgerpflicht – das ”Wässerchen” und die russische Tragödie
Vor zwei Jahren wurde in Russland erstmalig ein Rückgang der Wodka-Produktion gemeldet, und tatsächlich hat der westliche Einfluss in den russischen Metropolen eine Veränderung des Lebensstils und der Trinkgewohnheiten mit sich gebracht: An die Stelle von Wodka sind bei den Besserverdienenden und Gebildeten “Longdrinks” und italienische oder französische Weine getreten.?Doch das Bild in den Großstädten spiegelt nicht die Wirklichkeit in den kleinen russischen Städten und Dörfern, in denen zwei Drittel der Bevölkerung leben. Im Gegenteil zeigen alle Statistiken, dass die Trunksucht in Russland für Abermillionen von Menschen noch immer zur Alltagskultur gehört. Sonja Margolina, selber in Russland aufgewachsen, zeigt in diesem Buch, in welchem Ausmaß der Wodka die Wirtschaft und Politik Russlands geprägt hat. Um seine Kriege und seinen Polizeiapparat zu finanzieren, führte schon Iwan der Schreckliche das Staatsmonopol für alkoholische Getränke ein. Das Trinken in den Staatsschenken wurde zur Pflicht des Untertanen, und aus der Pflicht wurde Abhängigkeit: die der Menschen vom Alkohol und jene des Staates von den Spritabgaben. Alle wichtigen staatlichen Institutionen – vor allem aber Kirche und Armee – brachte der Wodka in seine Gewalt. Er entschied über militärische Siege und Niederlagen, beeinflusste den Verlauf der bolschewistischen Revolution, finanzierte die Bürokratie und blockierte jede Reform, die seine Allmacht hätte gefährden können. Wodka war die wichtigste Einnahmequelle der weißen wie der roten Zaren. Als Michail Gorbatschow schließlich versuchte, ihn zu verbieten, zog das den Kollaps des Staates nach sich.?Das hochprozentige “Wässerchen” hat auf dem russischen Sonderweg eine verhängnisvolle Rolle gespielt und ist inzwischen sogar eine Gefahr für das Fortbestehen Russlands in seinen heutigen Grenzen. Mit Hilfe des Wodka, so Sonja Margolinas Resümee, begeht das russische Volk seinen historischen und geopolitischen Selbstmord – ein in der Geschichte einmaliger Vorgang.

Artur Klinau
Minsk
Sonnenstadt der Träume
Aus dem Russischen von Volker Weichsel. Mit Fotografien des Autors und Abbildungen. Erschienen: 30.10.2006, edition suhrkamp 2491, 175 Seiten, Broschur

Wer zum erstenmal nach Minsk kommt, ist irritiert und überwältigt von den riesigen Boulevards, den endlosen Parks mitten im Zentrum, den vielen mit sonderbarem Dekor reich verzierten Palästen.Von den Sowjets als ideale Stadt, als Verwirklichung der kommunistischen Utopie entworfen, hat Minsk sich in einen Raum des Absurden verwandelt: architektonisches Monument einer Stadt des Glücks und Ausdruck der Unmöglichkeit, es zu erlangen. Hier findet der Kampf um die Zukunft statt, die Demokratie drängt hinein, die die Errichtung einer idealen Stadt schon immer torpediert hat. Der weißrussische Künstler, Architekt und Publizist Artur Klinau? porträtiert die “Sonnenstadt der Träume”, erzählt vom Widerstand gegen die Diktatur Lukaschenkos und konstatiert das Verschwinden Europas in der Dämmerzone Weißrußland.

Artur Klinau, geboren 1965, ist Herausgeber des einzigen Magazins für zeitgenössische Kunst in Weißrußland pARTisan . Er lebt in Minsk

Serhij Zhadan
Depeche Mode
Aus dem Ukrainischen von Juri Durkot und Sabine Stöhr
Gepl. Erscheinung: 26.02.2007,
edition suhrkamp 2494, 245 Seiten, Broschur

Charkiw 1993. Sowjetische Kriegsveteranen und neureiche biznesmeny lauschen im Konzertsaal einem amerikanischen Erweckungsprediger. In ehemaligen Komsomolbüros residieren Werbeleute. Das Jugendradio der ostukrainischen Metropole bringt in Kooperation mit London ein Feature über die irische Volksmusikgruppe “Depeche Mode” und die Rolle der Mundharmonika beim Kampf gegen kapitalistische Unterdrückung. Durch diese hybride Szenerie irren drei Freunde – Dog Pawlow, Wasja Kommunist und der Ich-Erzähler Zhadan, neunzehn Jahre alt und arbeitslos –, um ihren Kumpel Sascha Zündkerze zu finden. Sein Stiefvater hat sich erschossen. Ihre Suche führt sie auf ein verfallendes Fabrikgelände, wo sie eine Molotow-Büste klauen, ins Romaviertel zu einem befreundeten Dealer und schließlich per Nahverkehrszug ins Pionierlager “Chemiker”, wo Zündkerze als Betreuer arbeitet. Als Zhadan ihn schließlich trifft, bringt er es nicht übers Herz, ihm die Wahrheit zu sagen.

“Depeche Mode” ist der erste Roman des “ukrainischen Rimbaud” und führt mitten hinein in die Anarchie der postsowjetischen Umbruchszeit

Zum Autor:
Serhij Zhadan, 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine geboren, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw.

Ljubko Deresch
Die Anbetung der Eidechse oder Wie man Engel vernichtet
Roman
Aus dem Ukrainischen von Maria Weissenböck
Erschienen: 27.11.2006
edition suhrkamp 2480, 200 Seiten, Broschur

Sommer 1993. Brütende Hitze im Karpatenstädtchen Midny Buky. Mischka hockt in der Datscha seiner Eltern, liest Edgar Allan Poe, hört Pink Floyd und ist in Dzwinka verliebt. Mit Hippie, seinem besten Freund, bilden sie einen eigenen Kosmos und schotten sich von der Außenwelt ab. Als “Brüder und Schwestern im Untergrund “ ziehen sie den Haß von Fedja und seiner Proltruppe auf sich. Als die Feindseligkeiten in regelrechten Terror ausarten, schmieden die drei einen Mordplan. Fedja muß sterben … Inspiriert von Jim Morrisons Song “The Celebration of the Lizzard” und von Pink Floyds “The Wall”, erzählt Ljubko Deresch wunderbar leichthändig von der ersten Liebe und vom Ende einer unbeschwerten Jugend. Wie schon in seinem erfolgreichen Roman Kult mixt er Ingredienzien der postsozialistischen, neoukrainischen Realität mit Elementen der westlichen Popkultur und erzeugt spannenden, explosiven Lesestoff.

“Wie Ljubko Deresch über die Liebe schreibt, über die Angst, die Rebellion und das Erwachsenwerden, zeigt den jungen Autor als großen Erzähler.” Brigitte

Zum Autor:
Ljubko Deresch (* 1984 in Lemberg) ist ein ukrainischer Schriftsteller.
Deresch ist Autor von vier Romanen und zahlreichen Erzählungen. Sein zweiter Roman "Kult" erschien im Oktober 2005 auf Deutsch im Verlag edition suhrkamp. Sein Debutroman "Die Anbetung der Eidechse. Oder: Wie man Engel vernichtet" erschien auf Deutsch im November 2006 ebenfalls bei Suhrkamp. Dereschs Romane nehmen sich die phantastische und Horrorliteratur von H.P. Lovecraft, E. A. Poe und Stephen King zum Vorbild. Sie enthalten zahlreiche Anspielungen auf diese Autoren sowie auf die Werke zeitgenössischer und klassischer ukrainischer Schriftsteller. Deresch hat im Sommer 2006 sein Studium der Wirtschaftswissen- schaften an der Universität Lemberg (Lwiw) abgeschlossen. Er ist zurzeit als freier Schriftsteller tätig.

Vladimir Kantor
Willkür oder Freiheit
Beiträge zur russischen Geschichtsphilosophie
In der Reihe Soviet And Post-Soviet Politics And Society
Ibidem-Verlag, Stuttgart, 2007
ISBN 3-89821-589-X

Dieses Buch greift Probleme auf, die Russlands spezifischen Weg in die Zivilisation charakterisieren: Die Haltung Russlands gegenüber dem Westen; die Konfrontation archaischer und zivilisationsbildender Elemente; der nationale Mentalitätstyp; Russlands Ursprung in der Steppe als Hindernis bei der Herstellung eines Rechtsstaats; der Gewaltfaktor, welcher Russlands zivilisatorische Entgleisungen provozierte; der eigenwillige russische „Demokratismus“, der Tyrannei herbeiführt; das Paradoxon einer fehlenden „echten Bürokratie“ und gleichzeitigen Übermacht des Beamtentums; die Entwicklung der Aufklärungs-und Freiheitsidee in Russland.
Das Buch gliedert sich in folgende Abschnitte: Über den nationalen Mythos des Unverständnisses. Freiheit oder Willkür: Über die russische Mentalität. Die Demokratie als historisches Problem in Russland. Kann es in Russland eine Demokratie geben? Die russische Orthodoxie im imperialen Kontext: Konflikte und Widersprüche. Der Antichrist als Problem des totalen Bruchs der europäischen Kultur (am Beispiel der russischen Kultur des 20. Jahrhunderts). Gewalt und Zivilisation in Russland. Lev Tolstoj: Versuchung als Geschichtslosigkeit. Russland im deutschen Zauberspiegel – Ivan Turgenev. Der russische Weg zu einer offenen Gesellschaft. Der russische Europäer als Aufgabe Russlands.

Der Autor:
Vladimir Kantor studierte Literatur- und Sprachwissenschaften an der Moskauer Staatlichen Universität. 1974 Promotion und 1988 Habilitation am Institut für Philosophie an der Akademie der Wissenschaften der UDSSR. Seit 1974 Mitherausgeber der Zeitschrift Voprosy folosofii und seit 1989 der Buchreihe Iz istorii obљestvennoj filosovskoj mysli. Ab 1992 Vorsitzender der Abteilung für deutsch-russisch literarische Verbindungen bei der Moskauer Philosophischen Stiftung. Seit 2003 Professor für Philosophie an der Hochschule für Ökonomie, Moskau. Autor bzw. Herausgeber von 15 wissenschaftlichen Büchern und über 300 Aufsätzen.

Merle Hilbk
Sibirski Punk
Eine Reise in das Herz des wilden Ostens
Gustav Kiepenheuer Verlag 2006.
Gebunden. 255 Seiten. € 17,90.
ISBN 3-378-01081-9

„In Sibirien zu leben, ist eine einzige Freude: Von hier gibt es keine weitere Verbannung, das war's, man ist angekommen, und daraus entsteht die Freiheit der Straflosigkeit, eine besondere, wilde Moral,“ resümierte Viktor Jerofejew 2001 in seinem Sibirien-Porträt für die ZEIT. Die Journalistin Merle Hilbk würde dem Moskauer Schriftstellers wohl nicht uneingeschränkt zustimmen können. Als sie im Sommer 2004 in Nowosibirsk landete, stellte sich ihr das Leben in Sibirien keineswegs so freundlich dar, wie sie es sich kurz zuvor in ihrer Hamburger Altbauwohnung noch erträumt hatte.
Schon bald entdeckt sie, dass die „fröhliche“ Melancholie der Russen ein seelischer Schutzschild gegen die sozialen und witterungsbedingten Härten des Alltags ist und den konsumbehüteten Westlern die „russische Seele“ wohl immer ein Rätsel bleiben wird. Bereits auf der Fahrt zu ihrem ersten Reiseziel, dem Atomforschungsinstitut „Akademgorodok“ stellt sie nach einem umherschweifenden Blick aus dem Autofenster desillusioniert fest: „Zwischen den welken Fassaden hat sich der Kapitalismus eingenistet wie ein Virus, der nach und nach die ganze Stadt infiziert, ihre Gestalt verändert und ihre Menschen.“
Ökobewegt und zivilisationsgeschädigt
Ein „Reflex aus den frühen Achtzigern“, wie sie kurz darauf bekennt und der auch ihre weiteren Reisebetrachtungen beherrscht. Denn von den ökobewegten und zivilisationskritischen Fesseln ihrer Jugendzeit kann sie sich auf ihrer abenteuerlichen Reise durch die unendlichen Weiten Russlands ebenso wenig befreien wie von ihrer romantisch-verbrämten Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit.
Durch die Brille einer erfolgreichen, aber entnervten und nach neuen Lebensimpulsen dürstenden Mittdreißigerin beobachtet und beschreibt sie die Lebensentwürfe der ihr am Ende doch so fremd gebliebenen Russen. Die Autorin trifft auf ihrem Weg von West- nach Ostsibirien auf dünn- und dickhäutige Akademiker, motorisierte Amazonen, baikalgraskiffende Punkrocker und weniger exotische Zeitgenossen. Sie unterhält sich auf Englisch, auf Russisch, auf Deutsch mit ihnen, leert mit ihnen „krepki napitki“ (Starkgetränke) in rauen Mengen und verbringt mit vielen von ihnen ganze Tage und Nächte. An eiskalten Seen, auf unkomfortablen Datschen, in stickigen Zugabteilen oder schummrigen Kneipen.
Story und Selbstfindung
All das nimmt die Vollblut-Journalistin um der Story und der Selbstfindung auf sich. Was ihr die traditionell gastfreundlichen Russen erzählen, gestisch oder mimisch andeuten, verdichtet sie zu ebenso anschaulichen wie spannenden Reportagen. In diesen Passagen ihres Buches wird die vielzitierte und von ihr dringend gesuchte „russische Seele“ spürbar, wenn auch nicht greifbar. Schließlich ist und bleibt sie ein intellektuelles Konstrukt. Das alkoholgeschwängerte In-den-Tag-Hineinleben oder der abgeklärt ausgefochtene Kampf mit den sibirischen Naturgewalten ist im Westen nicht unbekannt. Prominente Russlandkorrespondenten wie Klaus Bednarz oder Dirk Sager wissen auf vielen Buchseiten ähnliches zu berichten.
Neu ist die intime Nähe, die Hilbk zu ihren Gesprächspartnern und Gastgebern sucht und schonungslos offen zur Sprache bringt. Sie verlässt den Pfad der journalistischen Tugend und lässt ihren subjektiven Empfindungen und Enttäuschungen immer wieder freien Lauf, um sich des eigenen Seelenzustands zu vergewissern. Diese in poetischen und psychologischen Platitüden verkleidete Selbstfindungsprosa ist der sentimentale Kitt, mit dem die vielfach bereits andernorts und andersartig erschienenen Reportagen zusammengehalten werden.
Protestantische Schranken
Der anerzogene und antrainierte Protestantismus steckt der nicht nur äußerlich an Ingeborg Bachmann erinnernden Autorin wahrlich noch in den Knochen. Und zwar der Protestantismus in seiner pietistischen Spielart, die zur schonungslosen Seelenerkundung und kompromisslosen Leistungsethik gemahnt und nur schwer mit der „wilden Moral“ Sibiriens in Einklang zu bringen ist. Denn trotz aller Offenheit und Liebesmüh' bleibt ihr Verhältnis zur russischen Mentalität und Alltagskultur ein seltsam gespaltenes. „Je mehr ich das Unbekannte, je mehr Rußland ich in mich aufnehme, desto bewußter wird mir das Deutsche an mir.“ Das ist die zentrale, wenn auch nicht sonderlich verwunderliche Erkenntnis, die sie und die Leser aus ihrer Selbsterkundungsreise nach Sibirien ziehen dürfen.

Jörg von Bilavsky, Magazin Titel, Literatur und mehr

Tschingis Aitmatov
Der Schneeleopard
Roman. Aus dem Russischen von Friedrich Hitzer.
Unionsverlag, Zürich 2007. 320 S., 19,90 €.

Tschingis Aitmatow beschreibt die Jagd auf den Schneeleoparden Dschaa-Bars
© Die Berliner Literaturkritik, 12.03.07

Wie der Unionsverlag bekannt gibt, wird ein neuer Roman mit dem Titel „Der Schneeleopard“ von Tschingis Aitmatow erscheinen. Gleich am Anfang des Romans wird der Leser direkt hineingeführt in die Welt des Schneeleoparden Dschaa-Bars, so dass der ganz nahe und vertraut wirkt. Dies hat seine Ursache darin, dass die Großväter von Tschingis Aitmatow Jäger gewesen sind. Diese Großväter kannten die Plätze der Schneeleoparden im Hochgebirge und wussten alles über deren Leben. Tschingis Aitmatow hat daher seit seiner Kindheit von den zahllosen Erzählungen der Altvorderen profitiert.

Der einst unbezwingbare Schneeleopard Dschaa-Bars fühlt seine Kräfte schwinden und will sich zum Sterben in ein unzugängliches Tal im kirgisischen Hochgebirge zurückziehen. Gleichzeitig wird Arsen Samantschin, ein unabhängiger Journalist, von einer Welle entfesselten Kommerzes in seiner Heimat überrollt. Die Medien kuschen, Oligarchen und Fanatiker drängen sich vor, und seine große Liebe, die Sopranistin Aidana, feiert als Popstar Triumphe. Die Zeit scheint für beide abgelaufen zu sein: Für den Journalisten wie für das Raubtier. Das Schicksal jedoch führt im weiteren Verlauf der Geschichte Arsens und des Schneeleoparden in einer atemberaubenden Wendung zusammen.

Tschingis Aitmatow wurde 1928 in Kirgisien geboren. Nach der Ausbildung an einem landwirtschaftlichen Institut arbeitete er zunächst als Viehzuchtexperte in einer Kolchose. Nach ersten Veröffentlichungen zu Beginn der fünfziger Jahre besuchte er das Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau und wurde Redakteur einer kirgisischen Literaturzeitschrift, später der Zeitschrift „Novyj Mir“. Mit der Erzählung „Dshamilja“ erlangte er Weltruhm. Heute lebt er als Botschafter der Republik Kirgistan in Brüssel. (eva/lut)

Pawel Sanajew
Begrabt mich hinter der Fußleiste
Aus dem Russischen von Natascha Wodin
7.90 EUR 192 Seiten Gebunden mit Schutzumschlag
Erscheinungsdatum: 08.03.2007
ISBN 978-3-88897-464-9, sofort lieferbar

Sascha Saweljew lebt bei seiner Großmutter, die mit ihren wilden Flüchen, ihrer tyrannischen Fürsorge und der unerklärlichen Wut auf Saschas ferne Mutter wie einem bösen Märchen entsprungen zu sein scheint. Seine Welt besteht aus Verboten, Wollstrumpfhosen, merkwürdigen Badeprozeduren und dem Staphylococcus aureus, der angeblich in seinem Körper wütet. Sascha ist überzeugt, dass er mit 16 verfault sein wird und wie die Geschenke seiner Mutter in dem Müllschlucker in der Küche landet. Saschas Glück ist die Mutter, sein Leben ist die Großmutter, und das eine scheint das andere auszuschließen. Kaum je wurde der Horror einer Kindheit mit solch tragikomischer Verve beschrieben wie in dem erzählerischen Debüt des russischen Filmautors Pawel Sanajew.

Über den Autor
Pawel Sanajew, geb. 1969 in Moskau, entstammt einer berühmten russischen Schauspielerfamilie. Nach einem Studium an der Filmhochschule arbeitete er als Drehbuchautor und Synchronisator. 2005 kam Sanajews erster Film in die Kinos; der Thriller »Letztes Wochenende« wurde auf mehreren Filmfestivals ausgezeichnet. „Begrabt mich hinter der Fußleiste” ist sein Debüt, das er mit 26 Jahren in einer Literaturzeitschrift veröffentlichte. Als Buch stand es monatelang auf den Bestsellerlisten und wurde für den russischen Bookerpreis nominiert

Aka Morchiladze
Santa Esperanza
Pendo Verlag, München und Zürich 2006
ISBN 386612094X
Kartoniert, 850 Seiten, 27,50 EUR

Klappentext
Aus dem Georgischen von Natia Mikeladze-Bachsoliani. Es geht auf die imaginären Santa-Esperanza-Inseln im Schwarzen Meer. Aus unzähligen Fragmenten, Liebesgeschichten, Flaschenpost, Märchen, Mythen und Sagen, uralten Chroniken, aber auch E-Mails und Zeitungsartikeln entsteht ein Kosmos, in dem der Leser sich frei bewegen kann: Die 36 Hefte lassen sich in unzähligen Kombinationen lesen, die auf unterschiedliche Weise durch das malerische Insel-Universum führen.

Aus der Rezension der Süddeutschen Zeitung vom 08.12. 2006 (Sonja Zekri)

Nun hat der Münchner Pendo-Verlag Morchiladzes Werk „Santa Esperanza” herausgebracht, und es ist, vorsichtig formuliert, die wohl verrückteste und verwegenste verlegerische Leistung der Saison.

Denn „Santa Esperanza” ist kein Buch, sondern eine Sammlung von kleinen regenbogenbunten Heften in einem karamelbraunen Filzschuber. „Diese ewigen Deckel, diese Bindung, ich wollte mal etwas anderes!”, sagt Mordchiladze. Man müsse die ruhmreiche Saga der „Inseln der Hoffnung” auch gar nicht von vorn nach hinten lesen und vielleicht nicht mal vollständig. Fast hätte er den Schluss von „Santa Esperanza” als Kreuzworträtsel angelegt. So gesehen wirken die Hefte direkt zurückhaltend.

„Santa Esperanza” ist die fiktive Chronik eines fiktiven Archipels im Schwarzen Meer. Aber eigentlich, sagt Morchiladze, geht es nur um Georgien. Genauer: um ein utopisches Georgien, das nie von den Russen annektiert, nie von der Sowjetunion unterjocht wurde. Auf den drei Inseln leben Georgier, Türken, Italiener, Juden und Briten, jawohl Briten. Im Jahr 1919 hat nämlich der osmanische Pascha Sari Beg die Inselgruppe an den britischen Colonel Rollston verpachtet. 145 Jahre später geben die Briten den Archipel zurück, und um diesen heiklen Moment im Jahr 2002 kreist Morchiladzes Geschichte. „Es ist eine Hongkong-Story”, sagt er. Aber eine ohne Happy End.

Denn so wie Georgien nach der Unabhängigkeit in Elend und Bürgerkrieg versank – „Wir waren das reichste Land der Sowjetunion und wurden das ärmste Land der GUS, an einem Tag” – , so liefern sich auch auf den Hoffnungsinseln Clans und Cliquen wüste Gefechte: die verhasste Bürgerfamilie der Wisramianis, die tapferen, aber barbarischen Sungalen und das genuesische Händlergeschlecht der Da Costas. Britische Spione wollen Agatia, die greise Urenkelin Sari Begs, als Königin installieren. Und die grausame Wisramiani-Tochter Salomea besetzt mit ihrer Armee ganze Inselteile – ganz so, wie einst Abchasien und Südossetien Georgiens Schwäche ausnutzten und ihre Unabhängigkeit erklärten.

Manche Geschichten klingen zu ungeheuerlich, um wahr zu sein und sind es doch: Wenn die Feinde die Irrenanstalten und Gefängnisse öffnen und die Kranken und Verbrecher die Sungaleninsel verwüsten, schwingt Morchiladzes eigenes Entsetzen mit. Ganz ähnlich, sagt er, wurde es auch in Georgien gemacht. Dann wieder findet er neue, unvergessliche Bilder für einen tausendfach beschriebenen Schrecken: Das große Morden hat den Sungalen buchstäblich das Blut in den Adern gefrieren lassen. Nun stechen sie sich in Hände und Bäuche, um zu prüfen, ob es nicht doch noch fließt, ob sie doch noch leben.

Ein Staatszwerg als Spielball großer Mächte, eine Kollision von vormodernem Ehrbegriff und bourgeoiser Cleverness – ja, man kann „Santa Esperanza” als große Georgien-Metapher lesen. Aber man muss es nicht. Denn Morchiladze, der sich inzwischen im putzigen Café eines befreundeten Puppenspielers niedergelassen hat und eine Art selbstgebrauten Glühwein eingießt, Morchiladze hat eine so verspielte, wahnsinninge, quicklebendige Welt geschafen, dass der winzige Vielvölkerstaat unbedingt einen Platz in den Vereinten Nationen verdient.

Morchiladze erzählt dieses knallbunte Epos nicht als schnöden Roman. Sondern in Briefen und Kirchenchroniken, Tagebüchern und Dramoletten. Er verwebt Auszüge aus der Verfassung, Internetseiten, ein Testament. Meist fügen sich die Fragmente fugenlos ineinander, manchmal blühen die schönsten Blumen auf toten Gleisen. Er liebe es, Texte zu imitieren, sagt Morchiladze. Aber natürlich müsse die Simulation jederzeit erkennbar sein. So wie Ingo Schulzes „33 Augenblicke des Glücks” eine postmoderne Verneigung vor den russischen Klassikern waren, so verbeugt sich der Georgier vor der Literatur des Westens, was dazu führt, dass sein Ton dem Leser wunderbar vertraut ist.

Gabriele Krone-Schmalz
Was passiert in Russland?
250 Seiten (D) Ђ 19,90 ISBN 978-3-7766-2525-7
Verlag Herbig, September 2007

Russland – Freund oder Feind? Kritisch, klug und objektiv setzt sich die Russland-Expertin mit den gängigen Vorurteilen über die alte neue Weltmacht auseinander. Russland ist dem Westen suspekt. Gabriele Krone-Schmalz hat als ARD- Korrespondentin die Jahre des Umbruchs in der Sowjetunion miterlebt und die darauf folgende Entwicklung Russlands genau beobachtet. Sie weist auf die Diskrepanzen zwischen der russischen Realität und den Stereotypen in der westlichen Wahrnehmung hin. Sie stellt sich der Herausforderung, bewusste und unbewusste Verfälschungen im gängigen Russlandbild aufzuzeigen und scheut dabei vor zentralen Reizthemen wie Putins „gelenkter Demokratie”, Energiepolitik, Pressefreiheit, Tschetschenien nicht zurück.

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